Erfolgreiches Wochenende für Wildcats wird nicht mit Viertelfinale belohnt / Volleyballerinnen unterliegen Straubing 2:3 nach 3:0-Gala gegen Emlichheim

Stralsund. NawaRo Straubing führt gerade im ersten Satz mit 18:17, da betritt Laura Kurtze erstmals in ihrer Karriere eine Achtelfinalbühne im DVV-Pokal. Kurz darauf ballt die Volleyballerin der Stralsunder Wildcats die Faust, als sie mit einem Ass den Satzball der Bayerinnen abwendet und zum 24:24 ausgleicht. Ihr Freudenschrei geht in dem tosenden Lärm der 500 Zuschauer in der Diesterweghalle unter.

Zwei Aufschläge später stimmt Teamkollegin Dana Polenz in den Jubel mit ein – die Wildcats holen sich den ersten Satz im Achtelfinale gegen den Erstligisten. Polenz‘ Achtelfinaldebut nahm dann im dritten Satz so richtig Fahrt auf. Die Aufschläge der Mittelblockerin brachte den Favoriten mächtig ins Schwitzen und den Underdog aus Stralsund mit 4:0 in Führung – der Grundstein für den Erfolg im dritten Durchgang. „Es gab keinen genauen Zeitpunkt, ab dem man gemerkt hat, dass hier etwas geht“, glaubt Polenz. Die Wildcats waren einfach von Anfang an drin im Spiel. Und vor dem Pokalhighlight relativ cool. „Ich war nicht nervöser als sonst bei Ligaspielen“, versichert Kurtze. Dafür waren die Stralsunderinnen vielleicht etwas enttäuschter als bei Zweitligaduellen als sie nach 2:10 Stunden die Sensation haarscharf verpasst hatten. Die Wildcats mussten sich nach großartigem Kampf in einem attraktiven Spiel NawaRo Straubing erst im Tie-Break mit 2:3 (26:24, 16:25, 25:20, 19:25, 11:15) beugen.

Volleyballgeschichte hat der 1. VC Stralsund dennoch geschrieben: Erstmals holte eine unterklassige Frauen-Mannschaft im DVV-Pokal-Achtelfinale zwei Sätze gegen einen Erstligisten. Doch der Einzug ins Viertelfinale ist noch keinem Zweitligisten gelungen. Dieses Kapitel sollte auch am Sonntag am Strelasund ungeschrieben bleiben.
„Das ist Volleyball in Stralsund“, kommentierte Wildcats-Trainer André Thiel das knappe Aus. Was er damit meint ist, dass seine Wildcats es immer wieder schaffen, Favoriten ins Wanken zu bringen. Nur der finale Sturz fehlt (noch). Auch an diesem 4. November strauchelte der Favorit mehrfach, fiel aber nicht.

Wildcats sofort am Drücker

Wildcat Swantje Basan eröffnete den Pokalabend, Straubing ging in Front. Beim Stand von 1:4 nahm Thiel die erste Auszeit – ein wichtiges Mittel, wie sich im Laufe des Abends herausstellen sollte. Immer, wenn Straubing eine Punktserie startete, unterbrach der Coach den Spielfluss. Und stets läutete eine Auszeit eine gute Phase der Gastgeberinnen ein. Die Wildcats drehten die Partie zum 6:5. Danach entwickelte sich eine äußerst packende, weil ausgeglichene Partie (9:6, 10:10, 15:16).

Dann kam Kurtze. Erst rettete Anne Krohn einen Ball mit vollem Einsatz, bringt ihn zur 20-Jährigen, die auf 23:24 verkürzt. Anschließend erzielt Kurtze das Aufschlag-Ass. Ein Straubinger Angriff, der im Aus landet, bringt den ersten Satz für Stralsund. „Wir haben den ersten Satz gewonnen, weil es für uns direkt gut lief. Das war das Überraschungsmoment“, glaubt Thiel.
Das ging im zweiten Satz aber verloren. Straubing zeigte seine ganze Klasse, nahm bärenstark an und war durch die brettharten Angriffe von Danica Markovic, Frauke Neuhaus und Tyler Richardson brandgefährlich. So ließen die Gäste die Wildcats nach 5:2-Führung nicht mehr rankommen (8:5, 12:10, 20:14).

Der dritte Satz startete mit der Polenz-Aufschlag-Show. Der Zweitligist ging mit 4:0 in Führung und hielt sich den Erstligisten zunächst vom Laib (7:2, 10:7, 14:9). Doch dann drehte Straubing das Spiel, ging mit 16:15 in Führung. Stralsund blieb konzentriert und griff – im Gegensatz zum zweiten Durchgang – druckvoll an. Beim 21:18 waren die Wildcats wieder etwas enteilt, auch, weil Polenz erneut eine Angabenserie hinlegte. Nachdem Anne Krohn zum ersten Satzball aufschlug, war der Coup zum Greifen nahe – 2:1 nach Sätzen.

Der Beginn des vierten Satzes gehörte wieder Straubing (6:2). Die Stralsunderinnen steckten aber nicht auf. Kurtze rettete einen Ball nahe einer Werbebande, rappelte sich auf und war zur Stelle, als Polenz eine Annahme über das Handgelenk rutschte (7:13). Beim 16:17 waren die Wildcats wieder dran, konnten den Satz aber nicht umbiegen. Vielleicht der Knackpunkt im Spiel. Denn sowohl im restlichen vierten (16:19, 19:24) als auch im fünften Satz (3:5, 6:7, 6:10) zog Straubing kurz davon, sodass die Wildcats einem für sie uneinholbaren Rückstand hinterherhinkten.
„Straubing war am Ende einfach zu stark, eben die Klasse besser“, honorierte André Thiel und veranschaulichte: „Wenn die einen gute Angriffsposition hatten, war das zu 80 Prozent ein Punkt, wir mussten unsere Punkte auch bei leichten Bällen hart erarbeiten.“

Trotz knapp verpasster Überraschung und dementsprechender Niedergeschlagenheit waren sich die Wildcats einig. „Wenn wir mit 0:3 verloren hätten, wäre die Enttäuschung größer gewesen“, meint Kurtze und teilt damit die Ansicht ihres Trainers.

Gala-Vorstellung in der Liga

Dass die Volleyballerinnen überhaupt so stark über fünf Sätze gegengehalten haben, war nicht selbstverständlich. Schließlich steckte den Stralsunderinnen noch das Ligamatch gegen SCU Emlichheim knapp 24 Stunden zuvor in den Armen. Im „wegweisenden“ (Thiel) Spiel kochte der 1. VC die Niedersachsen mit 3:0 (25:20, 25:22, 25:17) ab und schob sich in der Tabelle hinter den SCU auf Rang sechs.

Bei den Gästen, die immer wieder mit Annahmefehlern auffielen, ging gelegentlich Gefahr von Kristen Mummey aus. Allerdings hatten die Wildcats die Partie durch druckvolles Angriffsspiel unter Kontrolle. Ließ der Druck nach, war Emlichheim sofort da. Doch Stralsund schaffte es diesmal, sich schnell zu fangen. „Wir haben super den Druck aufgebaut und gehalten. Das war das Wichtigste. Und durch die Wechsel konnten wir unsere Schwächephasen perfekt überdecken“, lobte Thiel.

Am Ende des Doppelspieltags war die Erleichterung von Straubings Trainer Benedikt Frank, für den es ein „geiles Gefühl ist, in so einer Hölle zu bestehen“, die Anerkennung des Stralsunder Publikums, das das Team am Sonntag mit minutenlangen Ovationen verabschiedete und die Erschöpfung der Achtelfinaldebütanten Kurtze und Polenz, die „ein tolles aber anstrengendes Spiel in einer lauten Halle“ erlebten, zu spüren.

Von Horst Schreiber