Die Volleyballerinnen der Stralsunder Wildcats unterliegen beim Volleyball-Neustart sang- und klanglos mit 0:3. Es fehlt die Routine.

Volleyballerin Anna-Lena Vogel brachte die erste Bundesliga-Partie seit eineinhalb Monaten auf den Punkt: „Es war wie das erste Spiel der Saison. Man wusste nicht genau, wo man steht. Bei allen fehlten ein paar Prozent und die haben sich summiert.“

Während es bei den Stralsunder Wildcats um Vogel an Abstimmung, Abläufen und gefestigter Technik mangelte, zeigte Gegner VC Allbau Essen kaum Schwächen. Dementsprechend dominant siegten die Gäste im ersten Pflichtspiel 2021 mit 3:0 (25:15, 25:15, 25:17).

Das Duell, zu dem die Wildcats relativ unvorbereitet aufschlugen, verlief in allen Sätzen gleich. Bis zum zehnten, elften Punkt hielten die Gastgeberinnen mit, danach zogen die Ruhrpottlerinnen davon, weil sie mit ordentlich Dampf angriffen und verbissen beinahe jeden Stralsunder Angriff abwehrten. Fast trotzig erschien es, als Libera Sabrina Dommaschke kurz vor Spielende eine Essener Angabe postwendend ins gegnerische Feld zurückbaggerte (15:21). Unüblich aber effektiv. Es war ihr erster Punkt seit Jahren und eine der wenigen Freuden während des ungeliebten Neustarts in der 2. Volleyball-Bundesliga.

„Biene (Sabrina Dommaschke/Red.) hat vor dem letzten Satz selbst gefordert, nochmal Spaß zu haben. Das hat vorher gefehlt“, sagte Bentje Bornath. Die Außenangreiferin war zusammen mit Anna-Lena Vogel mehr gefordert als sonst. Aufgrund der verletzungsbedingten Ausfälle von Stammpersonal Madleen Piest (nur Kurzeinsatz) und Laura Kurtze standen die beiden Linkshänderinnen die meiste Zeit auf dem Feld und wurden von Essen ordentlich unter Beschuss genommen.

Der Einsatz von Vogel (176 cm) und Bornath (172 cm) brachte eine naturbedingte Umstellung bei den Wildcats mit sich. „Neben dem fehlenden Training war die geringe Körpergröße unseres Teams eine Schwierigkeit, mit der wir umgehen musste. Da hat Essen einfach viel über unseren Block drübergeschlagen“, sagte Trainer André Thiel, der bei seiner Mannschaft eine wackelige Annahme und zu viele direkte Fehler ausmachte. „Wir hatten uns trotz allem vorgenommen, das Spiel ausgeglichener zu gestalten.“

Es hatte sich angedeutet, dass die Stralsunderinnen am Sonnabend kein spielerisches Feuerwerk abbrennen würden. Sechs Wochen ohne Spielpraxis, noch länger ohne richtigen Trainingsrhythmus, den es für Zweitligavolleyball braucht, sind einfach zu viel, um an die Leistungen aus den Vorjahren anknüpfen zu können. Es fehlt die Routine. Das bestätigte auch Bentje Bornath nach dem Duell.

Daher will André Thiel die 0:3-Pleite nicht groß gewichten. Angesichts der nun drei spielfreien Wochen, fahren die Wildcats - wie schon vor dem Essen-Spiel - das Mannschaftstraining komplett runter. „Für uns geht es darum, der Gesundheit alles unterzuordnen. Das ist zwar schade für den Sport und das Niveau, an das man in der 2. Bundesliga eigentlich gewohnt ist. Aber aktuell ist eine erfolgreiche Saison für uns, wenn alle gesund bleiben.“

Dem Beispiel BSV Ostbevern, der sich komplett vom Spielbetrieb abgemeldet hat und dessen Spiele alle mit 0:3 gewertet wurden, wollen die Wildcats aber nicht folgen. „Wir sitzen zwischen den Stühlen. Einerseits geht es um die gesellschaftliche Aufgabe, Kontakte zu vermeiden. Andererseits will uns die Liga spielen sehen, viele Vereine haben für ein Weiterspielen während der Krise gestimmt. Daran hängen wirtschaftliche Existenzen. Dem sind wir uns bewusst. Deshalb geben wir in den Spielen unser Bestes, leben mit so einem 0:3 und hoffen auf Besserung“, erklärt Thiel.

Die Stralsunder Wildcats sind weiterhin Tabellensechster und werden voraussichtlich erst am 13. und 14. Februar wieder aufschlagen. Die Gegner am Doppelspieltag sind Fortuna Bonn und BBSC Berlin.

Von Horst Schreiber